Seiten:

Rezension: Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis




















Titel: Der Märchenerzähler
Autor: Antonia Michaelis
Seiten: 446
Preis: 16,95 €
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-4289-5

Meine Bewertung:

Klappentext:
Abel Tannatek, der Außenseiter, der Schulschwänzer, der Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn da gibt es noch einen anderen Abel. Den sanften und traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna nicht mehr loslässt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.
Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas Befürchtungen wahr werden? Was, wenn der, den sie liebt, zugleich ihr schlimmster Feind ist?

"Seine Lippen waren kalt wie Schnee, aber jenseits der Lippen lag die Wärme von samtenem rotem Stoff, Stoff auf dem nächtlichen Deck eines Schiffes. Sie spürte seine Zunge und dachte an den Wolf. Und wenn es wahr ist, dachte sie, wenn das Märchen wahr ist? Ein Genickschuss und ein tödlicher Biss in den Nacken. alles stimmt. Und wenn ich einen Mörder küsse?"- Der Märchenerzähler, Antonia Michaelis

Meine Meinung:
Antonia Michaelis hat ein magisches Werk gezaubert. Es ist fast ebenso ein Märchen, wie Abel sie immer erzählt. Die Sprache und der Schreibstil sind einzigartig, aber gewöhnungsbedürftig. Simpel aber mit großen Bilder, die sie in die Luft zeichnet und wahr werden lässt. Ich habe das Buch an zwei Tagen durchgelesen, konnte es abends nur schwer weglegen, so sehr hat es mich in seinen Bann gezogen. Die ganze Geschichte ist wie eine Art Schatzsuche oder Krimi. Es gibt viele kleine, leicht zu überlesende Hinweise auf den Verlauf der Geschichte, man findet sie hauptsächlich in den Märchen, die Abel Micha und Anna erzählt. Wenn man ganz genau aufpasst, erkennt man wie es weitergeht.
Die Charaktere haben alle ihre Höhen und Tiefen, sind real konzipiert und wirken plastisch. nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Nebenfiguren sind gut dargestellt. Die Autorin versucht den Leser zu verwirren, eigentlich hat man bis zum Ende keine Ahnung, was wirklich geschah... Das fand ich sehr gut, es trägt sehr zum Spannungsaufbau bei.
Die Geschichte ist anders, schwerer, bedrückender als manch andere Jugendbücher. Viel bedrückender als "Stolen" von Lucy Christopher, das ich hier auch schon vorgestellt habe. Es ist aber auch ein einzigartiges Märchen. Die sprachliche Poesie past perfekt dazu, die Realität verschwimmt und manchmal weiß man gar nicht mehr, was nur in abels Märchen vorkam oder in der tatsächlichen Handlung. Das Buch nimmt nach einem kurzen Einstieg rasand an Fahrt auf, sobald Abel und Anna sich das erste Mal "richtig und bewusst" begegnen. Die Entwicklung zwischen den beiden ist glaubhaft und nicht übertrieben. Anna, es wird hauptsächlich aus ihrer Sichtweise erzählt (aber nicht in der Ich-Form), ist mir sofort sympatisch gewesen. Abel und Micha, seine kleine Schwester ebenfalls (trotz, dass er Drogendealer etc. ist). Es gab natürlich auch einige Ereignisse, die meine Sympatie auf beiden Seiten etwas gedückt hat... aber ich finde, dass Abels liebe Seite überwiegt. Man muss ihn nur in der Gegenwart seiner Schwester ansehen...
Die Geschichte hat mich so gefesselt, dass ich in einer Hohlstunde fast vergessen hätte, wieder in die Schule zu gehen. Ich konnte mich nur sehr schwer trennen und auch dann schwirrten mir noch Gedanken rund um die Geschichte im Kopf herum. Dann war das Buch plötzlich zu Ende.
Hm... ich weiß nicht so recht. Also: Das Ende hat mir überhaupt nicht gefallen. Meiner Meinung nach hat es nicht zu den Charakteren und zur Geschichte verpasst. Immerhin dreht sich doch alles um Abels 18 Geburtstag, damit er dann das Sorgerecht für Micha erhält. Und dann so etwas... einen Tag vor seinem Geburtstag. Ich werde nichts weiteres mehr zur Geschichte verraten, da müsst ihr schon selber lesen, aber wenn man das Ende mit dem Rest der Geschichte vergleicht, passt das meiner Ansicht nach nicht so richtig.
Es ist selbstverständlich, dass es Konsequenzen gibt, aber nicht solche!! Es war klar, dass kein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende kommt, aber so bedrückend hätte es auch nicht ausgehen brauchen. Es ist auf keinen Fall etwas für zarte Gemüter, denn es ist wirklich traurig, schwer, bedrückend, schockierend...
Ich musste danach lange weinen, die Geschichte lag mir schwer auf dem Herzen.
Die Charaktere und ihre Geschichte hat mich sehr mitgenommen, denn ich konnte manche Taten wirklich nachvollziehen. Gute Bücher lese ich oft mehrmals, aber ich weiß jetzt schon sicher, dass ich "Der Märchenerzähler" wohl kein zweites Mal lesen werde, das Ende hat meine Meinung zu dem Buch etwas gedrückt. Schade. Eine große Geschichte mit vielen Gefühlen, die nicht immer positiv waren, aber ein meiner Meinung nach nicht so tolles Ende.

Fazit:
Das Buch ist wirklich gut, es kann einem aber auch sehr an die Nerven und ans Herz gehen. Die Tränen kommen ebenso oft wie man lächeln muss. Ein wunderschönes Märchen, das aber auch zeigt, dass Märchen nicht immer gut ausgehen....

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke, dass Du ein Kommentar hinterlassen möchtest! :) Ich freu mich sehr darüber und wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag.
Alles Liebe,
Larissa