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Rezension: Neva von Sara Grant
















Titel: Neva
Autor: Sara Grant
Reihe: bisher nichts bekannt
Seiten: 349
Preis: 16,99 €
Verlag: PAN
ISBN: 978-3-426-28348-6
Originaltitel: Dark Parties

Meine Bewertung:

Klappentext:
"Die Protektosphäre bringt uns um", platzt Sanna heraus. Jemand schnappt hörbar nach Luft. Noch keiner hat es gewagt, so etwas laut auszusprechen. Wenn ich doch auch so mutig wäre!

Eigentlich sollen die mächtige Energiekuppel und die strengen Gesetze den Bürgern von Heimatland Schutz und Sicherheit garantieren - doch ihr Leben ist alles anderes als idyllisch: Die Regierung überwacht jeden Schritt, der Einzelne hat kaum persönliche Entscheidungsfreiheit. Selbst äußerlich sind die Menschen nach Generationen der Isolation immer ähnlicher geworden. Viele Jugendliche legen sich darum Kenn-Zeichen wie Tätowierungen zu, um sich von den anderen zu unterscheiden. Neva reicht diese Form des stummen Protests nicht mehr. sie beginnt, mit einer Gruppe Gleichgesinnter zu rebellieren. Dabei kommt Neva allerdings auch Braydon immer näher, der großen Liebe ihrer besten Freundin Sanna.
Als eine erste Protestaktion scheinbar unentdeckt gelingt, sind die Jugendlichen euphorisch. Doch schon am nächsten Tag beweist die Regierung, dass ihr nichts entgeht ...

Erster Satz:
Ich stehe im Dunkeln.

Meine Meinung:

Buchgestaltung: 
Wieder einmal ein tolles Cover aus dem PAN-Verlag. Man sieht eine junge Frau mit dunklem Haar und rotgeschminkten Lippen. Daneben ist der Titel untereinander geschrieben, es sieht so aus, als wäre es in Metall graviert, denn der Hintergrund ist so metallisch. Zudem ist der Titel hervorgehoben und in der Lackoptik gestaltet. Ein wirklich schönes Eyecatcher-Cover! Die Schneeflocke zieht sich als Hauptthema durch die Gestaltung, denn nicht nur außen, sondern auch bei jedem Kapitelanfang.

Handlung: 
Bei "Neva" handelt es sich um eine Dystopie. Ich habe noch nicht so viele Bücher aus dem Genre gelesen, aber da es ja gerade so viele Neuerscheinungen aus der Richtung gibt, durfte das hier natürlich nicht fehlen.
"Neva" spielt in der Zukunft, in welchem Land ist meines Wissens nicht bekannt, aber vielleicht habe ich das auch überlesen ... Auf jeden Fall ist ihre Heimat, genannt Heimatland, von einer unter Strom stehenden Kuppel abgeschottet und zwar die Portektosphäre. Wie der Name schon sagt, ist die Regierung der Ansicht, dass sie so ihr Volk schützen können vor der Globalisierung und der Individualisierung. Durch die Inzucht, da es ja seit Generationen nur dieselben Familien gibt, sehen alle fast identisch aus. Deshalb legen sie viele Jugendliche Kenn-Zeichen zu, Zeichen, die sie zu einer eigenen Person machen und zur Unterscheidung dienen. Doch als wäre mit der Protestaktion gegen die Protektosphäre nicht schon genug zu tun, verliebt sich Neva auch noch in die große Liebe ihrer besten Freundin, die wie eine Schwester für sie ist.
Da musste ich dann schon die Augen verdrehen, schon wieder eine Dreiecksbeziehung! Neuerdings geht das so in jedem zweiten Buch. Aber mal sehen, dachte ich. Die Autorin hat diese Beziehung besser gestaltet als so manche andere Schriftstellerin. Ich konnte die Probleme und die Ängste aber auch Sehnsüchte verstehen, die sie mitgebracht hat. Das Gute fand ich, dass Neva nicht nur traurig neben dem Paar stand, sondern auch agiert hat. Trotz ihrer Schuldgefühle gesteht sie sich ihre Gefühle für Braydon ein und als die beiden sich heimlich küssen, ist es um sie geschehen.
Aber ein ganz großer Kritikpunkt an dem Buch ist die fehlende Spannung am Anfang bis Mitte des Buches. Die ersten 150 Seiten waren langweilig, überhaupt nicht spannend und ich konnte auch mit der Geschichte und den Charakteren nicht richtig warm werden. Es war alles so distanziert,dass ich mich als Leser nicht miteinfühlen konnte. Zudem gab es kaum Handlung. Es gab die Protestaktion und der Kuss bei der Dunkelparty, der neue Job und der Alltag. Besonders der Job und der Alltag wurden vieeeeel zu ausführlich beschrieben. Es wurden auch keine Fragen aufgeworfen, die mich an das Buch gefesselt hätten. Teilweise war ich echt so weit, das Buch wegzulegen. Da ich aber nur sehr selten Bücher abbreche, wollte ich dem Buch noch eine Chance geben. Gott sei Dank hat die Autorin das auch genutzt. Denn ab ca. Seite 200 ging dann ENDLICH die Handlung voran und auch die Charaktere bekamen etwas mehr Tiefe. Ab da wurde es dann wirklich spannend und die Handlung entwickelte sich besondern in den letzten Hundert Seiten zum Pageturner. Leider war aber nicht alles so und das war sehr schade. Denn die Geschichte hat auf jeden Fall Potenzial für mehr. Das Ende war leider sehr offen, ich hoffe es folgt noch ein weiterer Band. Denn es ist noch einiges ungeklärt, zum Verlauf aber auch zum Verbleib der Charaktere.

Charaktere: 
Wie schon erwähnt konnte ich lange Zeit überhaupt nichts mit den Charakteren, besonders Neva, nichts anfangen. Sie wirkte auf mich kühl und distanziert, und ganz und gar nicht symphatisch. Erst im letzten Drittel des Buches konnte ich sie dann leiden. Man hat dann auch mehr über ihre Persönlichkeit und ihre Motive für ihre Handlungen kennengelernt. Durch die Ich-Perspektive konnte der Leser zwar schon von Anfang an, ihre Gedanken etc. mitbekommen, aber durch die emotionale Distanz zu ihr, hat das mitfühlen schwer gemacht. Insgesamt sind die Charas etwas blaß. Hier hätte man mehr Tiefe reinbringen sollen.
Leider wurden gegen das Ende einige Fragen zu einzelnen Charakteren aufgeworfen, aber nicht beantwortet. Man weiß beispielsweise nicht, warum Braydon so gehandelt hat, obwohl er kurze Zeit vorher ja genau das Gegenteil davon vorhatte... aber wenn es tatsächlich eine Fortsetzung geben sollte, wird das darin geklärt werden. Hoffentlich.

Sprache: 
Sara Grant schreibt sehr schön, sie schafft es durch einfache Sätze und klare Strukturen zu überzeugen. Es ist Jugendsprache aber angenehme. Außerdem schafft sie es dem Leser tolle Bilder in den Kopf zu malen. Was noch sehr positiv an ihrem Schreibstil ist, ist, dass sie keine ausgelutschten Standartsätze nimmt, die schon klischeehaftig sind. Sondern sie entwickelt ihre ganz eigenen Vergleiche, Bilder, etc. Das war wirklich sehr schön zum Lesen. Ansonsten kann man noch sagen, dass ihr Schreibstil sehr flüssig und angenehm zum Lesen ist.

Mein Fazit:
Eine neue Dystopie, die Potenzial hat, das aber nicht voll ausgeschöpft wurde. Schwacher Anfang bis Mitte, danach geht die Spannung und Handlung richtig los! Noch etwas leblose Charaktere, die aber gegen Ende hin eindeutig besser und ausgereifter werden. Ihre Zukunftsvorstellung kommt leider etwas zu kurz, gerne hätte ich mehr über das Heimatland erfahren. Eine sehr gute Idee, die gar nicht so unrealistisch ist und bestimmt auch viele gegenwärtige Ängst miteinbezieht. Denn Globalisierung und die damit verbundenen Konsequenzen sind ja allgegenwärtig.

"Der echte Himmel sei endlos, sagte sie. Endlos habe ich nie verstanden. In meinem Leben hat alles Grenzen. Doch heute, in dieser Dunkelheit, bin ich mir sicher, echte Sterne sehen zu können. Und heute kann ich beinahe auch begreifen, wie ein Raum unendlich sein kann. Ich befinde mich in endloser Nacht ohne Arbeit, ohne Freunde, ohne Zukunft." (Seite 214) 

Zur Autorin:
Sara Grant wurde 1968 in Indiana/ USA geboren, wo sie Journalistik und Psychologie studierte, bevor sie ihrem Mann nach London folgte. Dort arbeitet sie seit ihrem Universitätsabschluss in "Creative and Life Writing" bei einer Literaturagentur.
(Quelle: PAN)

Kommentare:

  1. Neva kommt irgendwie nirgends so richtig gut weg. Bin schon gespannt, wie es mir gefällt, weiß aber noch nicht, wann ich es lesen werde.

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  2. Huhu Lisa :)

    Das stimmt, die Rezis bei Amazon sind ja auch viele eher mittelmäßig. Mir hat es gegen Ende sehr viel besser gefallen, deshalb hoffe ich, dass es das nicht war, sondern noch ein Folgeband kommt...
    Ich wünsch dir trotzdem viel Spaß beim Lesen. Wer weiß, vielleicht gefällt es dir auch total :)

    Liebe Grüße,
    Larissa

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Larissa