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Kurzgeschichte: Schwerelos von Larissa Wolf

Hey ihr lieben :)

Heute werde ich euch eine Kurzgeschichte von mir vorstellen. Sie ist etwas betrückender und auch traurig. Über eure Meinung dazu, würde ich mich sehr freuen! :) Viel Spaß beim Lesen.

Schwerelos

"Glaube mir doch, es war Liebe auf den ersten Blick!" Ich sah sie bittend an. Doch sie schüttelte lediglich den Kopf, es interessierte sie gar nicht, wie ich empfand. "Mutter, so antworte mir." Ich war doch ihre einzige Tochter, mir konnte sie so etwas nicht antun!
Ich hielt sie am Arm fest und zog sie zu mir. Ihre hellblauen Augen starrten mich für Sekunden an.
"Bitte", flüsterte ich, doch sie wandte sich sogleich wieder ab. Wut blitzte in ihren schönen Augen auf, als sie ihren Arm losriss.
"Ich hätte wirklich von dir erwartet, dass du weißt, was du tust, Clara! Du hast es selbst verschuldet", zischte sie und bohrte mir ihren langen Finger in die Schulter. "Ein Mädchen aus unserer Schicht tut so etwas Dummes nicht! Ich habe veranlasst, dass der Kutscher um neun Uhr kommt. Du hast also noch eine Stunde zum Packen."
Sie umfasste die Kette, die um ihren Hals hing und nahm sie ab. Ich zitterte vor Angst. Ich wollte nicht gehen, nicht dorthin! Alles nur nicht zu ihnen!
Meine Mutter ließ die Kette zu Boden fallen. Tränen brannten in meinen Augen. Die Kette hatte ich ihr geschenkt. Nun warf sie sie achtlos zu Boden wie ein Stück Dreck! Fehlte nur noch, dass sie sie mit ihrem roten Absatz zertrat.
"Aber Mutter ... ich bin doch eure Tochter", flehte ich verzweifelt. Doch sie ignorierte mich und verschwand aus meinem Zimmer. Fassungslos blickte ich ihr hinterher. Was sollte ich jetzt tun? Meine Eltern steckten mich ins Kloster, nur weil Joshua mich geküsst hatte. Weil er etliche Gesellschaftsschichten unter mir war; ein Diener. Heiße Tränen hinterließen brennende Spuren auf meinem Gesicht. Ich wollte ihn nicht verlassen. Vielleicht konnten wir beide abhauen? Nur wir beide! Aber dann musste ich an das fehlende Geld denken. Wir würden nicht lange überleben können ...
Aber nicht ins Kloster! Alles nur nicht dorthin! Selbst der Tod erschien mir gnädiger. Lucy war über ein Jahr dort gewesen. Schlimme Sachen passierten dort, sie hatte sie mir in allen Details erzählt. Grausame Bestrafungen für nichtige Dinge, sie sollten die Mädchen zur Vernunft bringen. Auf keinen Fall würde ich dort hingehen! Lucy hatte mir erzählt, dass es ihr wie die Hölle auf Erden vorgekommen sei.
Pure Angst ergriff meine Sinne. Mit dem ganzen Körper warf ich mich gegen die Tür. Das Korsett zwang mich flach zu atmen, ich bekam kaum genügend Luft. Doch es war vergebens, meine Mutter hatte mich eingesperrt! Ich rüttelte verzweifelt an der Tür, doch sie bewegte sich keinen Millimeter. Sie schickte mich geradewegs in die Hölle.
Ich brach in Angstschweiß aus, zitternd versuchte ich erneut den Türknauf zu drehen. Nicht dorthin, alles nur nicht dorthin, schrien meine Gedanken und mein Verstand setzte vor lauter Panik aus.
Ich würde nie eine Zukunf mit Joshua haben, nicht in diesem Leben. Nicht wenn sie mir im Kloster den Verstand brachen. Und meine Seele. "Nichts als ein wimmernder Haufen von Elend." Lucys Worte geisterten mir im Kopf herum. Elend. Nur Elend! Und Hölle.
Ich wollte in den Himmel und bei Joshua sein! Nicht in die Hölle, nicht in dieses Kloster! Ohne es wirklich zu spüren, durchquerte ich das Zimmer und meine zitternden Finger öffneten das große Fenster. Unter mir ging es gut zwanzig Meter in die Tiefe.
Fliegen wie ein Vogel. Wie würde sich fliegen wohl anfühlen, fragte ich mich. Ich wollte leicht und schwerelos sein, wollte von alldem weg fliegen!
Der Wind zog an meinem Kleid, bauschte die Röcke auf, wollte dass ich mit ihm flog. Durch die Luft. In den Himmel. Mit Joshua.
Dann flog ich und genoss die Schwerelosigkeit.

Copyright by Larissa Wolf

Kommentare:

  1. Hallo Larissa,

    nun angesiedelt in der guten alten Zeit, wo es noch Herrschaft und Diener gab. Gefühlvoll und zu gleich sehr dramatisch geschrieben.

    Also ich finde, Deine Kurzgeschichte wirklich ganz nett.

    Nur das Ende, gefällt mir überhaupt nicht, weil Selbstmord nie ein Problemlöser ist. Es gibt immer Mittel und Weg....Kraft der Liebe , die alle Schranken überwindet( Titanic, ist da ein gutes Beispiel oder?), auch wenn es schlimm endet.

    Und der Satz: "Und meine Psyche" passt sprachlich, finde ich nicht in deine Geschichte, denn Du schreibst so voller Herzblut und Gefühle, dass da "Seele" , glaube ich besser passen würde. Finde das Wort "Psyche" einfach zu modern für deinen Stil der Geschichte(Zeit).

    Das ist meine ehrliche Meinung dazu und ich hoffe, dass Du da nicht sauer bist.O.K.

    Alle Achtung, ich finde sowas toll.

    LG..starone...

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  2. Hallo starone :)

    vielen Dank für deine Meinung! Das hilft mir sehr :) Das Ende ist so, weil es zeigen soll, dass Menschen in panischen /verzweifelten Situationen nicht immer das richtige machen und sich oft einfach von Gefühlen (hier die Panik) leiten lassen... Sie sieht in dem Moment einfach keinen anderen Ausweg, deshalb wählt sie diesen Weg. Natürlich hätte es bestimmt andere Wege gegeben, aber vor lauter Angst, kann sie nicht mehr klar denken.

    Psyche werde ich noch in Seele umändern, da hast du recht. :) Danke.

    LG

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  3. Hallo Larissa,

    nun, dass ist ein schwieriges Thema!Ich sage immer:" wo ein Wille ist , ist auch ein Weg".

    Vielleicht sieht man einfach auch viele Dinge in einem anderen Licht, wenn man zum Beispiel schon etwas älter ist als Du, so wie ich.

    Ich kann mich doch gut erinnern, wie mein erster Freund mit mir Schluss gemacht hat, ich dachte "die Welt" geht unter! Aber die Welt ging weiter und nach dem Ersten folgten noch weitere hi hi.....

    LG..starone...

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  4. Hallo starone,

    ich bin auch kein Freund von Selbstmord. Aber es gibt diese Kurzschlussreaktionen. Und ich glaube nicht, dass man in solchen Situationen logisch reflektiert, ob es noch andere wege gibt, aus dem Problem herauszukommen.
    Dein Beispiel mit der Trennung: Natürlich malt man sich das schlimmer aus als es ist. Aber es gibt Leute, die da nicht so vernünftig sind. Leider! Ich denke es liegt am Charakter des Menschen, ob er stark genug ist, das durchzustehen oder ob er sich in Selbstmitleid suhlt.
    Es gibt genug Menschen, die damit nicht klarkommen, sonst würde es nicht so viele Selbstmorde geben.. :(
    Die KG ist an einen Film angelehnt, den ich vor einiger Zeit mal gesehen hatte.. Ich glaub er hieß "Die unbarmherzigen Schwestern" und es hat in einem Kloster gespielt.. Ehrlich gesagt, da würde ich auch nicht hin wollen..

    Ich hoffe, du verstehst, wie ich es meine. :)

    LG Larissa

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  5. Hallo Larissa,

    Ja, klar ich verstehe Dich schon.

    Überall wo Gefühle(positive/negative) im Spiel, finde ich ohnehin macht der Verstand erst einmal Pause.

    Ja und dann kommen viele Faktoren zusammen, ob man es schaft aus der möglichen Krise heraus zu kommen...

    Und manche sehen halt nur darin..leider ..ihre persönliche Lösung.

    LG..starone...

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Alles Liebe,
Larissa