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[Schreibtipps von Janice Hardy] #1 Ich habe eine Romanidee! Was nun?

Hallo ihr Lieben :-)

Heute kommt schon der erste Beitrag von Janice Hardy (hier erfahrt ihr mehr über sie). Der erste Artikel, den ich von ihr aus dem Amerikanischen übersetzt habe, dreht sich darum, wie man mit einer Idee für einen Roman umgeht. Das ist besonders für diejenigen interessant, die sich vielleicht noch nie richtig an einen Roman getraut haben. Aber auch für alle anderen gibt es bestimmt ein paar hilfreiche Tipps! Lasst euch überraschen. :-)



Ich habe eine Romanidee! Was nun? - Janice Hardy

Von Janice Hardy

Manche (Hobby-)Autoren haben eine Idee für einen tollen Roman, sind sich aber unsicher, wie es weitergehen soll. Das passiert häufig denen, die gerade mit dem Schreiben beginnen oder denen, die sich an ihrem ersten großen Roman versuchen. Der ganze Prozess kann einschüchternd sein, wenn man damit zum ersten Mal beginnt und sich nicht sicher ist, wo man anfangen soll.

Jeder hat seinen eigenen Prozess und diesen für sich selbst zu finden, ist Teil des Schreibens. Du bist vielleicht ein Drauflosschreiber (jemand der sofort losschreibt ohne eine exakte Ahnung zu haben, wo die Geschichte hinführen wird) oder ein Plotter (jemand der zuvor plant, was passieren wird) oder irgendwo dazwischen. Wenn du noch nicht weißt, wo du stehst: ich finde es viel einfacher zu plotten, wenn ich eine Basis habe, mit der ich arbeiten kann - eine Vorlage, die mich führt. Manchmal ist es hilfreich Punkt A und Punkt B aufgeschrieben zu sehen, um herauszufinden wie sie verbunden sind.


Schritt 1: Schreibe deine Idee in einem Satz auf.

Das Reduzieren deiner Idee auf einen Satz zwingt dich dazu, genau zu benennen worüber deine Geschichte ist. Der Grundkonflikt, der deine Geschichte vorantreiben wird und dir dabei hilft den Plot auszuarbeiten. Diese eine Sache, die gelöst werden muss oder etwas Schlimmes passiert. Wenn du es nicht in einem Satz zusammenfassen kannst, mach es in zwei. Wenn du es in zwei nicht zusammenfassen kannst, hast du wahrscheinlich ein Plot-Problem. Versuche dir etwas Zeit zu nehmen, um herauszufinden worum es in deiner Geschichte geht, dann kehre hierhin zurück und finde deinen Plot.

Schritt 2: Finde das Problem.

Etwas in dieser Situation ist schief gegangen. Eine Person benimmt sich schlecht, jemand ist in Schwierigkeiten, eine große Bedrohung lauert am Horizont. Was wird schief laufen? Es wird mit deiner Ein-Satz-Zusammenfassung auf irgendeine Art zusammenhängen, da das der Grundkonflikt ist. Dies wird das sein, was dein Plot zu lösen versucht. Jede Szene in deinem Roman wird damit auf irgendeine Weise in Verbindung stehen. Schreibe das Problem auf. Fühle dich frei, es auszuweiten, wenn du willst.

Schritt 3: Finde das, was auf dem Spiel steht. (Konsequenzen)

Was wird passieren, wenn das Problem nicht gelöst wird? Für jemanden wird es negativ ausgehen, und das wird so schlimm sein, damit die Aufmerksamkeit des Leser sogar 100 000 Wörter lang durchhält. Hier stolpern viele Plots, weil sie das, was auf dem Spiel steht, nicht gut genug ausgearbeitet haben. Die Geschichte hat keinen "Warum sollte mich das berühren?"-Faktor. Wenn du nicht weißt, warum das alles von Bedeutung ist, wird es schwerer zu wissen, was als Nächstes kommt. Schreibe auf, warum es so wichtig ist, dass das Problem gelöst wird (oder nicht gelöst, wenn es das Ziel deines Bösewichts ist, das Problem zu lösen). Das kann der allgemeine Einsatz (Anm. von Larissa: das, was man zu verlieren hat) oder ein spezifischer Einsatz eines Charakters (oder eine Kombination) sein, der aufs Spiel gesetzt wird.

Wenn du dir unsicher bist, stelle dir solche Fragen:
Wen wird das verletzen?
Wem wird das helfen?
Was wird passieren, wenn das Problem gelöst wird?
Was wird passieren, wenn es nicht gelöst wird?
Warum ist das Problem ein Problem?
Warum muss es gelöst werden?

Schritt 4: Finde den Protagonisten.

Weil Geschichten über interessante Personen, die interessante Sachen auf interessante Art und Weise machen, sind, ist der Schlüssel für einen guten Plot, herauszufinden, wer dein Protagonist ist. Sie sind die, die am meisten zu verlieren haben und die, die von diesem Problem persönlich am betroffensten sind. Ich hätte das fast als Schritt zwei oder drei gemacht, aber oft ist ein Handlungsproblem da, bevor wir wissen, wen wir am besten damit konfrontieren können. Du weißt vielleicht schon, dass das Problem mit einem bösen Zauberer und einem Mitglied eines Nomadenstamms zu tun hat, aber nicht genau, wer sie sind, wenn dir die Idee gekommen ist. Schreibe auf, wer dein Protagonist ist und füge so viele Infos über ihn dazu, wie du magst. Die Länge (kurz oder lang) ist egal.

Stelle dir solche Fragen:
Wer hat bei diesem Problem am meisten zu verlieren? (das wird sich mit den Einsätzen, die auf dem Spiel stehen, verbinden)
Wer hat die Möglichkeit das Problem zu lösen?
Wer ist wichtig für den Konflikt?
Wer hat eine einzigartige Sichtweise, die es ihm erlaubt einen Einblick in das Problem zu bekommen?

Schritt 5: Finde den Antagonisten (=Bösewicht, Gegenspieler).

Jemand oder etwas wird versuchen, die Auflösung des Problems zu verhindern. Es muss Hürden geben, die man überwinden muss - sonst wird die Geschichte langweilig. Diese Hürden müssen von Bedeutung sein und nicht irgendwelche Sachen, die man auf den Weg der Charaktere wirft. Manche Geschichten werden keine Person als Antagonist haben, es kann ebenso eine Naturkatastrophe oder eine Ich-gegen-mich-selbst artige Geschichte sein. Für solche Geschichten denkst du über die Sache nach, die sich deinem Protagonisten in den Weg stellen wird. Schreibe die Hürden auf, die deinem Protagonisten auftauchen werden - egal wer, was oder wie viele das sein mögen.

Stelle dir solche Fragen:
Wer oder was hat die Möglichkeit den Protagonisten zu stoppen?
Warum versuchen sie ihn zu stoppen?
Wer oder was hat die Möglichkeit das Problem herbeizuführen?
Warum wollen sie das?

Schritt 6: Finde das Ziel deines Protagonisten.

Du solltest inzwischen ein Ziel haben und basierend auf dem, was er zu verlieren hat, solltest du eine Idee haben, warum das für deinen Protagonisten und Antagonisten wichtig ist. Das wird es sein, was deine Geschichte voran bringt. Der Plot baut sich auf diesen Zielen auf. Dein Protagonist (und Antagonist) handeln entsprechend ihren Zielen. Blicke auf Schritt 2 zurück. Siehst du diesen einen Satz? Wenn du es noch nicht gemacht hast, schreibe ihn jetzt neu, indem du die neuen Informationen berücksichtigst. [Protagonist] versucht [Problem] zu lösen, sonst passiert [die negative Konsequenz], und [Antagonist] versucht ihn [aus diesen Gründen] zu stoppen. 

Das ist der Grundkonflikt, das Handlungsproblem, das Herzstück deines Plots. Wenn du dich verlierst oder nicht weißt, wie du weitermachen sollst, suchst du das hier hervor und erinnerst dich, was wichtig ist.

Schritt 7: Finde die Motivation.

Betrachte deinen Protagonisten, Antagonisten, Einsätze / Konsequenzen und Ziele. Denke jetzt darüber nach, warum das alles für den Protagonisten und Antagonisten von Bedeutung ist. Etwas bringt sie dazu, zu handeln. Schreibe diese Dinge auf. Füge die Gründe hinzu, warum dein Protagonist und Antagonist so handeln, die Hintergrundgeschichte und sonst alles, was dir hilft, diese zu verstehen. Und mache das Gleiche auch für deinen Antagonisten, denn je mehr du ihn ausarbeitest, wird er ein umso besserer Bösewicht sein. Er wird Gründe haben für das, was er tut und das macht es für dich einfacher seine Taten zu planen, die andererseits wieder den Protagonisten zum Handeln bringen, und den Plot ausmachen.

Stelle dir solche Fragen:
Was ist das für den Protagonisten / Antagonisten wichtig?
Was haben sie persönlich zu verlieren, wenn das Problem nicht gelöst wird?
Warum wollen sie das nicht geschehen lassen?
Was sind sie bereit zu tun oder zu riskieren, um es zu lösen?
Was wären sie nicht bereit zu tun? (Gibt es eine Grenze, die sich nicht überschreiten würden?)
Wer unterstützt sie bei ihrem Ziel?
Wer ist gegen sie?
Welche Schwächen haben sie, die ihnen hierbei in die Quere kommen könnten?
Welche Stärken haben sie, die ihnen helfen werden?
Vor welchem Geschehen haben sie Angst?

Vieles davon mag wie Charakterentwicklung wirken, und das ist es teilweise auch, aber hier willst du dich auf die Sachen konzentrieren, die den Plot beeinflussen werden. Eine Angst vor Schlangen mag vielleicht keine große Rolle spielen, es sei denn, die Geschichte dreht sich darum, dass man in einem Flugzeug voller Schlangen gefangen ist.

Schritt 8: Finde die großen Momente.

An diesem Punkt solltest du schon eine allgemeine Ahnung von deiner Handlung haben oder zumindest davon, was in deiner Geschichte wichtig ist. Suche jetzt nach ein paar Schlüsselmomenten oder Ereignissen, um die du deinen Plot aufbauen kannst. Stelle sie dir als eine Art Anker deiner Handlung vor.

Ein paar übliche Schlüsselmomente:
Wann realisiert dein Protagonist zum ersten Mal, dass er ein Problem hat? (Das bezieht sich auf das Grundproblem.)
Wann erkennt der Protagonist, was oder wer ihm im Weg steht?
Wann versuchen sie zu handeln, scheitern aber zum ersten Mal?
Wann glauben sie, dass alles nutzlos ist oder fühlen sich dem Aufgeben nahe?
Wann entscheiden sie sich, etwas zu riskieren, um das Problem zu lösen?
Wann lösen sie das Problem?

Du kannst vielleicht nicht alle beantworten, und das ist in Ordnung. Denke einfach darüber nach und überlege, wie sie mit deiner Geschichte zusammenhängen. Du kannst versuchen sie zu beantworten, auch wenn es nur vage ist.

Schritt 9: Brainstorm.

Als Nächstes suche nach anderen Momenten und Ideen, die dir im Kopf herumschwirren. Oft ist es so, dass du einige Ideen zur Handlung oder auch coole Szenen im Kopf hast. Überlege, wie sich diese Momente mit dem großen Problem oder den Sachen bei Schritt 1-8 verbinden können. Vielleicht ergeben manche Ideen gute Szenen, andere gute Einsätze / Konsequenzen, oder vielleicht auch ein guter Auslöser für ein Problem. Schreibe sie mit so viel (oder so wenig) Informationen auf, die du hast.

Schritt 10: Fasse alles zusammen.

Erzähle jetzt deine Geschichte. Sie muss nicht gut werden, starte einfach beim Anfang und erzähle sie so, als würdest du sie einem Freund erzählen. Füge Hintergrundgeschichten und Rückblicke hinzu. Benutze Adverben. Mach all das, was man nicht tun sollte, denn hier geht es nur darum, eine Idee zur Geschichte und zum Plot auf ein Papier zu bringen. Mach dir keine Sorgen, wenn du nicht genau weißt, wie und wo die Dinge am besten hinpassen. An diesem Punkt ist es okay, vage zu sein und Sachen zu sagen wie "Held besiegt den bösen Typ und retten sein Idol" und keine Ahnung zu haben, wie das gehen soll. Es ist sogar okay zu sagen, der "Held macht hier eine schwierige Entscheidung und wird von dieser verfolgt" und keine Ahnung von den Details zu haben. Es ist sogar gut, zu sagen, "Held scheitert und die Konsequenzen werden größer". Du magst jetzt zwar noch nicht wissen, wie, aber du weißt, dass an diesem Punkt in der Geschichte etwas passieren muss, um die Einsätze / Konsequenzen anzuheben. 

Das Ziel ist es, ein allgemeines Gefühl dafür zu bekommen, wie der Plot sich entwickelt und welche Schlüsselmomente in welche Richtung führen, sodass du eine Hilfestellung beim Schreiben hast. Für Drauflosschreiber mag das hier reichen (oder schon zu viel sein), um direkt ins Buch zu hüpfen. Für Plotter, nimmst du das hier und führst es noch detaillierter aus. Du hast dann vielleicht eine Seite oder auch dreißig Seiten. Beide Male solltest du genug Informationen haben, um die Ziele, Konsequenzen und mögliche Probleme, die deinen Protagonisten konfrontieren können, zu identifizieren.

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So, das war ein langer Artikel, den ich aber gerade auch für Leute toll finde, die bisher noch nie oder nur selten geschrieben haben.
Hat er euch helfen können, etwas klarer zu sehen? Widersprecht ihr bestimmten Punkten? Schreibt doch bitte eure Meinung dazu in die Kommentare :-).
Nächsten Sonntag gibt es dann einen weitere Artikel zum Thema Schreiben!

Viel Spaß noch,
Larissa

Kommentare:

  1. Hallo Larissa,
    mir haben die Tipps gerade sehr weitergeholfen. Vielen Dank fürs Übersetzen!
    Ich hatte sofort eine Idee wie ich meinen Bösewicht im Untergrund wirken lassen konnte =)

    Liebe Grüße

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    1. Hey :-)

      das freut mich! Viel Erfolg beim Schreiben wünsche ich dir dann <3

      Liebe Grüße, Larissa

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Danke, dass Du ein Kommentar hinterlassen möchtest! :) Ich freu mich sehr darüber und wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag.
Alles Liebe,
Larissa