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[Kolumne] "Jungfrauen in Nöten" in Literatur und Film


Guten Morgen, meine Lieben!

Jungfrauen in Nöten. Jeder kennt sie. Das arme, tollpatschige Mädel muss von einem gutaussehenden und starken Prinzen gerettet werden. Und wenn sie nicht gestorben sind...

Heute soll es um dieses Thema in Literatur und Film gehen. Am Schluss habe ich noch ein paar Empfehlungen für Euch, die Bücher und Filme mit starken weiblichen Charakteren vorstellen.

Doch zuerst einmal zum Ausdruck "Jungfrau in Nöten". Woher stammt der eigentlich? Dazu ein Zitat von Wikipedia, das den Begriff perfekt zusammenfasst:
"Das Sujet der verfolgten Unschuld oder der Jungfrau in Nöten (französisch demoiselle en détresse, englisch damsel in distress) ist ein Rollentyp in Romanen, Kunst, Theater, Film, Comics, Videospielen, verwandt mit der Jugendlichen Naiven oder der Ingenue. Es handelt sich um eine junge, schöne Frau, die von einem Monster oder Bösewicht bedroht wird, von einem gewöhnlich männlichen Helden gerettet wird und gestärkt aus dieser Bedrohung hervorgeht." (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Verfolgte_Unschuld)

 Vor nur ein paar Jahrzehnten galt die Frau lediglich als Zierde an der Seite ihres Mannes. Frauen gebärten, sahen bezaubernd aus und waren schwache Wesen. Diese Vorstellung von der Rolle des weiblichen Geschlechts zieht sich durch die ganze Geschichte und hat auch auf heutige Themen noch großen Einfluss. Man muss sich nur einen Großteil der modernen Filme und Romane ansehen, um dieses Muster der "Errettung der schwachen Frau durch einen starken Helden" wiederzufinden.

Zur Mitte des letzten Jahrhunderts gab es eine Weiterentwicklung und man setzte beispielsweise im bewegten Bild auf starke Frauenrollen. Allerdings gerieten auch diese am Ende in eine missliche Lage und plötzlich konnten sie sich nicht mehr selbst helfen. Es gab und gibt bis heute viele Versuche, das Motiv der "hilfsbedürftigten Jungfrau" zu kippen - allerdings ist dieses Denken auch für uns Frauen meist zu tiefst allgegenwärtig. Wer wünscht sich auch nicht einen tollen Mann, der einen notfalls auch beschützen kann?

Aber bedeutet dieses Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit, dass man nicht gleichzeitig stark und unabhängig sein kann?

"Jungfrauen in Nöten" finden wir trotz unserer modernen und auch emanzipierten Frauenrolle immer noch wie Sand am Meer. Man muss sich nur Romane wie "Twilight - Biss zum Morgengrauen" ansehen und schon findet man eine tollpatschige Protagonistin, die nicht mehr ohne ihren Helden leben kann. Als er sie verlässt, benimmt sie sich, als läge sie im Koma. Als ich das Buch gelesen habe, war ich noch mitten in der Pubertät. Und an dieser Stelle gebe ich freimütig zu, dass ich es damals geliebt habe. Es hat mir gefallen, dass es da einen Helden gibt, dem man hinterher schmachten kann.

Doch nicht nur diverse Jugendromane (Die Selection-Trilogie lässt grüßen!) beruhen auf diesem Schema. Nein, auch beispielsweise Krimis, bei denen der Protagonist eine entführte Frau retten muss. Genauso wie es in vielen Filmen der Fall ist, dass Frauen von Männern gerettet oder beschützt werden müssen. In unzähligen Romanen und Filmen findet man dieses Schema - entweder so offensichtlich wie bei Bella und Edward, oder etwas besser versteckt. Es ist erschreckend, wenn man genauer hinsieht und erkennt, dass gerade auch viele Jugend- und Erwachsenenromane auf diesem Motiv aufbauen.

In der letzten Zeit hat allerdings auch langsam ein Umdenken eingesetzt. Gerade Disney spielt hierbei eine große Rolle, waren sie es doch damals, die in fast allen Filmen das Jungfrauen-Thema behandelt haben. Endlich haben sie umgeschwenkt und die neueren Filme von Disney zeigen starke Mädchen und Frauen. Beispiele dafür sind die Tinkerbell-Filme, sowie "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren". Männer und Jungs spielen dabei nur eine unterstützende Rolle. Es ist toll zu sehen, dass die jungen Mädchen von heute mit solchen Filmen aufwachsen und erkennen, dass sie nicht auf einen Helden auf einem weißen Pferd warten müssen.

Auch in der Literatur gibt es immer mehr Romane mit starken Protagonisten. Seht euch nur mal die Panem-Trilogie an, die sich um Katniss Everdeen dreht. Sie führt eine Rebellion gegen das herrschende Regime an. Peeta und Gale sind dabei lediglich Nebenspieler. Genauso verhält es sich mit den Vampire Academy Romanen, in denen Rose als Beschützerin ausgebildet wird und Kämpfen lernt. Eine ganz besondere Reihe ist auch die der Luna Chroniken. Hier haben die Mädchen sogar Berufe, die in der Öffentlichkeit häufig als männlich angesehen werden, wie Mechaniker und Hacker/Programmierer. Es gibt zwar immer noch sehr viele Bücher mit dem "Jungfrau in Nöten"- Schema, aber wenn man ein bisschen sucht, findet man auch die Romane mit starken Protagonistinnen.

Es lässt sich also zusammenfassen, dass das Bild der "unschuldigen und hilfsbedürftigen Frau" noch immer in Literatur und Film eine zentrale Rolle spielt. Aber auf der anderen Seite setzt auch bei einigen schon ein Umdenken ein und weibliche Helden werden immer beliebter, wie man an Katniss und der weltweiten Begeisterung für diese Buch- und Filmreihe erkennen kann.
Die eigenen Vorlieben können sich im Laufe der Zeit wandeln, wie ich an mir selbst gesehen habe. Gerade als Teenager glaubt man vielleicht noch an den Prinzen in glänzender Rüstung, der einen vor allen Schrecken rettet und beschützt. Aber ich denke, dass die Zukunft viel mehr starke Frauen bringt, als andersherum.

Meine Empfehlungen bezüglich selbsständigen, unabhängigen und starken Frauen:
Romane:
- Vampire Academy Serie von Richelle Mead
- Panem Trilogie von Suzanne Collins
- Luna Chroniken Reihe von Marissa Meyer
- Das Geheimnis des Frühlings von Marina Fiorato
- The Assassin's Curse Dilogie von Cassandra Rose Clarke
- Legend Trilogie von Marie Lu
- Susannah Reihe von Meg Cabot

Filme:
- Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
- Tinkerbell Filme
- Rapunzel - Neu verföhnt
- Selbst ist die Braut
- American Princess

Wie seht Ihr das? Kennt ihr Bücher und Filme, die diesem "Jungfrauen"-Motiv entspringen? Wie sieht es mit starken Protagonistinnen aus?

Liebe Grüße,
Larissa

Kommentare:

  1. Das Sujet - ach wie schön, ich fühl mich wie in der älteren Deutschen Literatur Vorlesung, sorry!
    Hi :D
    Als Autorin finde ich dieses Thema natürlich wahnsinnig interessant. Ich selbst schreib zwar nur normale - ohne Fantasy, mein ich damit - (Jugend)bücher, aber ich achte darauf, dass die Frau, das Mädchen selbstständig bleibt. Zum Beispiel im neusten Teil, dass sie zwar für ihre Liebe einen (ungeliebten) Job aufgibt,aber finanziell unabhängig bleibt und, wnen es sein muss, dem männlichen Charakter kontra gibt. Zudem stelle ich den Frauen immer freundinnen an die Seite. Damit klebt der Prota natürlich nicht immer mit dem Mann zusammen :D
    Aber ich schrieb jetzt sowieso mal an meiner Fantasy-Story weiter xP
    Ich find deine Beispiele gut. Ich glaube, ich muss der Susannah Reihe eine Chance geben obwohl ich in bisschen entwachsen bin :D

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    1. Genauso sehe ich es auch. :-) Man ist selbstständig, aber man liebt und ist ja auch gerne mit dem Mann zusammen. Man macht natürlich im Leben immer wieder Kompromisse (sonst würde eine Beziehung ja auch gar nicht funktionieren :-D). Ganz schlimm finde ich es, wenn das Mädchen ein tollpatschiges Dummerchen ist, das nur darauf wartet, von einem starken Helden gerettet und beschützt zu werden und sich auch sonst ihr gesamtes Dasein plötzlich um diesen Typ dreht.... :-D
      Die Susannah-Reihe kann ich dir auf alle Fälle empfehlen! Die ist nicht nur für Teenies, da Susannah auch locker als 18 Jährige durchgeht. ;-) Sie hat es zumindest drauf, den Geistern in den Hintern zu treten :-D.

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Larissa