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Shortstory aus der Welt der Jhanta Chroniken | Mein Roman

Hallo ihr Lieben :-)

als kleinen Vorgeschmack auf meine Fantasyreihe, gibt es heute eine Shortstory für euch. Sie beinhaltet die erste Begegnung zwischen Ayla und Shangar - zwei wichtige Charaktere, die im ersten Band auftauchen. Im zweiten Band der Reihe sind sie sogar die Protagonisten.
Da die beiden schon bei ihrem ersten Auftritt eine eingeschworene Einheit bilden, könnt ihr heute ihre erste Begegnung miteinander lesen.
Viel Spaß beim Lesen! Schreibt doch einen Kommentar dazu, wie euch die Shortstory gefällt. :-)


Short Story von Larissa Wolf: Aylas und Shangars erste Begegnung



Ayla:

Ich steige aus der luxuriösen Kutsche, deren Samtbänke mich die ganze Fahrt über warm gehalten haben. Das weiß gestrichene Holz, aus dem das Gefährt gebaut wurde, ist an der unteren Seite von braunen Schlammspritzern bedeckt. Sofort stehen mehrere Diener bereit. Sie beginnen, den Dreck wegzuputzen, als wäre es ihr einziger Lebensinhalt.
Hinter mir steigt Madame Chian aus der Kutsche und zupft ihren Akademiezopf zurecht. Sie wird mich hier an den König übergeben und danach wieder zu ihren anderen Schülerinnen fahren.
Heute ist meine offizielle Einführung in die Gesellschaft. Seit Jahren sehne ich diesen Augenblick herbei. Es ist das erste Mal, dass ich außerhalb der Akademie sein darf. Das hier wird für den Rest meines Lebens mein Zuhause sein. Vorfreude kribbelt in meinem nervösen Magen.
Wir stehen vor dem mächtigen Eingangstor des ranimschen Schlosses, während wir auf den Empfang durch den König und seinen Sohn warten. Ich betrachte die gigantische Anlage vor mir. Sie besteht aus einem Hauptschloss, mehreren Nebengebäuden sowie Türmen, die sich imposant in die Höhe schrauben. Sie werden alle von einem Hof umsäumt, der sich zunehmend mit Schaulustigen füllt. Jeder will wohl das Mädchen sehen, das den Prinzen beschützen soll.
Madame Chian schnalzt abschätzig mit der Zunge. Sie beobachtet eine junge Frau, die sich an den starken Arm eines Mannes schmiegt und zu uns hinüber sieht. „Keinen Anstand.“
Sie wendet sich mir zu und ihre grauen Augen fixieren mich, bis ich mich wieder wie eine Novizin fühle. „Du kannst froh sein, dass die Akademie dich aufgezogen hat. Sieh dir das Mädchen an. Ihr Leben wird lediglich aus Hausarbeit und Kindern bestehen, während du für etwas viel Wichtigeres bestimmt bist.“ Sie lächelt ihr kaltes Lächeln. Ich glaube nicht, dass sie jemals anders lächelt. In all den Jahren meiner Ausbildung lernte ich von ihr nur dieses eisige Lachen kennen.
„Ja, Madame“, murmele ich. „Die Akademie ist das Heiligste.“ Diesen Leitspruch trichtern sie jedem Kind ein, das an die Anstalt verkauft wird. Irgendwann glauben alle Novizinnen es. Mir ging es genauso, obwohl ich in all den Jahren auch ein paar Schwächemomente hatte. Ich träumte von einem Leben, wie es dieses Mädchen haben wird. Aber das war zu einer anderen Zeit.
Inzwischen bin ich keine Novizin mehr. Ich habe meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und wurde vom ranimschen König höchstpersönlich für seinen Sohn berufen.
Soldaten stellen sich zu beiden Seiten des Tores auf. Ich spüre ihre Blicke, aber ich bleibe aufrecht und mit leicht erhobenem Kinn neben Madame Chian stehen. Bald wird sie mich verlassen. Ich weiß nicht, ob ich darüber froh oder traurig sein soll. Ich konnte sie noch nie wirklich leiden, trotzdem ist sie ein Teil meines Lebens. Meiner Herkunft. Und meiner Heimat. Wenn sie geht, nimmt sie alles Bekannte mit sich und lässt mich inmitten von Fremden zurück.
Jeder steht auf seiner Position. Schließlich klopft ein Offizier, der neben dem Tor platziert ist, mit seinem Stab dreimal auf den Boden. „Ihre Majestät, der König und der Prinz“, hallt seine kräftige Stimme über den inzwischen gut gefüllten Hof.
Zwei Soldaten öffnen die breite Schwingtüre des Hauptgebäudes. Gespannt starre ich die beiden Personen an, die die wenigen Stufen herunter schreiten und sich uns gegenüber stellen. Der König wirkt ein wenig gebrechlich, so wie er sich auf den Gehstock stützt. Er ist etwas kleiner als ich. Nichtsdestotrotz umströmt ihn das pure Gefühl der Macht.
„Willkommen in Ranim“, sagt er mit einem warmen Lächeln und reicht mir seine Hand. Ich mache einen Knicks und küsse den riesigen Rubin auf seinem Silberring. Madame Chian macht es mir gleich. Der König ist schlank und muss einst ein starker Mann gewesen sein. Das lassen die Muskeln erahnen, die sich leicht unter seinem tiefroten Halbmantel abzeichnen. Inzwischen hat das Alter allerdings seinen Tribut gefordert. Seine Haare sind an einigen Stellen ziemlich licht. Das Gesicht wird von wenigen, aber dafür umso tieferen, Falten durchzogen.
Der König zeigt auf den Jungen, der wortlos neben ihm steht. Er ist in dunkles Blau gehüllt, was seine goldenen Haare nur noch mehr erstrahlen lässt. „Mein Sohn Shangar.“
Der Prinz scheint etwa in meinem Alter zu sein, was bedeutet, dass er noch etwa drei Jahre unmündig sein wird. Erst mit einundzwanzig Jahren wird er zum Kronprinzen und Erbe seines Vaters erklärt.
Madame Chian und ich verbeugen uns gehorsam.
„Das ist Ayla, Euer Gnaden“, stellt sie mich vor. In den blauen Augen des Prinzen steht ein Ausdruck geschrieben, den ich nicht zu deuten vermag. Sein Blick ruht auf meinem verschleierten Gesicht. Wahrscheinlich hat er noch nie eine Kämpferin der Akademie gesehen. Ich warte darauf, dass er etwas zu mir sagt. Aber er hält den Mund geschlossen. Lediglich seine Augen lassen mich wissen, dass er keine lebensechte Statue ist.
Der König legt seine Hand auf Shangars Schulter. „Ihr müsst ihn entschuldigen, Miss Ayla. Er spricht nicht.“
„Ist er stumm?“, frage ich verwirrt. Ich spüre Madames Anspannung neben mir. Wenn nicht der König vor uns stehen würde, könnte ich mit einer sofortigen Bestrafung rechnen. Schnell schiebe ich ein „Es tut mir leid, Euer Gnaden. Das geht mich nichts an“ hinterher.
Anstatt mich für mein Benehmen zu tadeln, lacht der König gequält. „Du wirst bald immerzu an seiner Seite sein. Darum geht es dich tatsächlich etwas an.“ Er betrachtet seinen Sohn und runzelt die Stirn, als verstünde er ihn selbst nicht. „Seit seine Mutter uns vor zehn Jahren verlassen hat, schweigt er.“ Sein hoffnungsvoller Blick trifft auf mich. „Vielleicht schafft eine so bezaubernde junge Frau es, ihm einige Wort zu entlocken.“

Copyright by Larissa Wolf, November 2014.

Kommentare:

  1. Hallo Larissa,

    netter Einblick in Dein Buch.

    Hm, frage ich mich trotzdem , wie die Samtbänke warmgehalten haben und was ein Akademiezopf denn wohl ist bzw. ausschaut.

    LG..Karin..

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    1. Hallo Karin :-)

      Im fertigen Buch wirst du erfahren, wie ein Akademiezopf aussieht. Diese Shortstory kann man davor lesen, muss man aber theoretisch nicht, da es eher eine Rückblende ist. :-)
      Ayla und Shangar spielen im ersten Band noch keine so große Rolle, aber der zweite Band wird zum Großteil ihrer Geschichte gewidmet.

      LG Larissa

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  2. Hallo Larissa,

    Hm, Du machst es, aber spannend, gell!

    Hihi....LG..Karin..

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  3. Hallo Larissa,

    ich habe "Die Reise des Protektors" fertiggelesen und dann diese Begegnung zwischen Shangar und Ayla auf deinem Blog gefunden.

    Schön das du auch diesen kleinen Einblick mit uns Lesern teilst. :) Ich finde die Vorstellung schön das Shangar durch Aylas Fürsorge wieder zu sprechen begann.

    Jetzt wollte ich mich an eine Rezension zu deinem Buch setzen. Weißt du denn schon wie viele Bände deine Jhanta Chroniken umfassen werden?

    Liebe Grüße Janine

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    1. Liebe Janine :-)

      Das freut mich! Danke, dass du dir die Mühe machst, denn Rezis sind für uns Autoren super wichtig. :-) Insgesamt werden es sechs Bände.

      Liebe Grüße, Larissa

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Alles Liebe,
Larissa